Noch bin ich ja hier. Und es gilt mehr denn je, die skandinavischen Vorzüge zu genießen. Also bin ich noch ein bisschen herumgereist : )
Vielleicht war es ja mein Unterbewusstsein, dass mich in den letzten Tagen schusselig machte und mir allen Grund für eine baldige Rückkehr gab. Kapperl, Handschuhe und Handy weg, verloren!
Kopenhagen und "the forbidden city of the military"
Es fühlte sich richtig an, in dieser Stadt zu sein. Das Wetter grauslich und mein Zug verspätet und doch hat mich Kopenhagen charmant um den Finger gewickelt.
Die Freistadt Christiania, mitten in Kopenhagen, ist vermutlich eines der interessantesten politischen Projekte Europas. 1971 besiedelten einige Hippies, Aussteiger und Anarchisten das ehemals militärisch genutzte Areal und proklamierten ihre Autonomie. Die Bewohner ließen sich nicht mehr vertreiben und so geschah etwas Bemerkenswertes: Die dänischen Behörden duldeten Christiania als basisdemokratisch organisierten Stadteil mit eigenen Regeln.
Eine Auswahl meiner Favoriten:
- Keine harten Drogen - Marihuana wird hingegen öffentlich gehandelt.
- Keine Autos - trotzdem gibt es laut Wikipedia einen Parkplatz für 14 Autos.
- Keine Fotos - angeblich wurde schon so mancher Tourist "gebeten", die Speicherkarte der Kamera zu zerstören, sofern man sich über das Fotoverbot hinweggesetzt hat.
"I still believe in the need for guitars and drums and desperate poetry!"
Es war ein guter Tag, als ich erfahren hab, dass Frank Turner nach Schweden kommt. Irgendwas ist da zwischen ihm und seinen Hörern. "It's magical", meinten zwei Schweden im Harry B James. Ich stimmte zu. Sie saßen auf der niedrigen Holzbühne und warteten. Im Gegensatz zu Jordan und mir, die wir 4,5 Stunden anreisten, wohnten sie für schwedische Verhältnisse quasi um die Ecke, 1,5 Stunden Autofahrt entfernt.
Nach dem Konzert stand fest, dass ich nach Kapperl, Handschuhe und Handy (siehe oben) auch meine Stimme verloren habe. Na supa, denk ich und würde jederzeit wieder mitbrüllen. Da war ich beinahe froh, dass die "Hauptband" des Abends ihr Set mit dem Ghostbusters-Theme eröffnete und nach "Who ya gonna call??" den eigenen Bandnamen gröhlte - Rockmotherfuckerposen inklusive. Ich konnte getrost ins Hostel zurückgehen und Tee trinken.
Halt's Maul, Glückskeks!
Nach dem kurzen Stockholm-Besuch ging's früh am Morgen zurück nach Jönköping, Vorlesung um 8:30, verrückt! Die (wild um sich spammende) Glückskeks-Facebook-Application eines koreanischen Freundes hat mich noch wissen lassen: "Don't overtax your powers today!"
Die allerletzte Vorlesung meines Schweden-Semesters machte mich traurig diese Stadt bald verlassen zu müssen. Die Schwedinnen und Schweden, die hier Internationale Arbeit studieren: großartige Leute!
Der Kreis schließt sich: Zurück nach Linköping.
In ein paar Tagen fahre ich zurück nach Linköping, immerhin schließt sich somit der Kreis. Dort habe ich die ersten Wochen (zwecks Sprachkurs) verbracht. Mit "alten Freunden" feiere ich Weihnachten in einer WG. Die Wichtelspiel-Partner sind schon ausgelost.
Davor wartet noch ein Abschiedsparty-Marathon in Jönköping. Irgendwo zwischen furchtbar sentimental und furchtbar betrunken, verspreche ich Leuten sie zu besuchen. Sie sollen im Gegenzug bald nach Wien kommen.
Das war vermutlich mein vorletztes Posting aus Schweden. So wahr meine Finger nicht vor Kälte abgefallen sind, werde ich mich in der ersten Januar-Woche aus dem nordschwedischen Kiruna noch einmal melden. Österreich sehe ich am 6.1.2011 wieder.


