Mittwoch, 25. August 2010

Von Klagenfurt nach St. Pölten auf Schwedisch

In ein paar Tagen ist das unbeschwerte Sprachkursleben in Linköping vorbei. Ich tauche dann in das unbeschwerte Studentenleben Jönköpings ein.
Bemüht, Parallelen zu Österreich zu ziehen, könnte man sagen, ich ziehe von Klagenfurt nach St. Pölten. Klingt das nicht aufregend?

Was unterscheidet nun das hübsche schwedische Volk von uns Südländern? Ich versuche mich in einem ersten Resümee.

Die Universität in Linköping hat einen riesigen Campus, auf dem alles zu finden ist, was ein Studentenherz begehrt. Vielleicht nicht alles. Aber zum Thema Alkohol komme ich noch :)

Welche Verbindung bekommt mehr Leute in ein Auto?  Die Siegerverbindung konnte 20 Mitglieder in das kleine Auto zwängen. Neuer Rekord. Die andere Verbindung schaffte bloß lächerliche 19.

Ritterkostüme, Schlangestehen und Alkohol

Hier laufen gar seltsame Gestalten rum. Manche tragen Ritterkostüme, manche binden sich Krokodilschwänze um die Schulter, wieder andere sind unrasiert und marschieren im Gleichschritt. Das sind die Auflagen für die Studentenverbindungen, die mit unseren säbelschwingenden Vögeln von den Burschenschaften nicht viel gemeinsam haben. Duellieren tun sie sich aber sehr wohl: Welche Verbindung schmeißt die besten Partys? Dieser Ansatz scheint mir der weitaus sympathischere zu sein...

Anstellen tun sie sich auch gerne, die Schweden. Sogar in der Notaufnahme im Krankenhaus will man sich das Nummern-ziehen und In-der-Schlange-stehen nicht nehmen lassen. (Notaufnahme, weil mein Zimmergenosse Clement die Stabilität seines Second-Hand-Fahrrades überschätzt hat.)

Berüchtigt sind die hohen Preise für Alkoholika. Nicht zuletzt deshalb freuen sich Austauschstudenten sehr über Besuch von zuhause, sofern die Besucher Gastfreundlichkeit beweisen. Das darf durchaus als Einladung verstanden werden.

Kurzer Exkurs: Warum ist das eigentlich so teuer hier?

Im 19. Jahrhundert war Alkoholismus in Schweden ein großes Problem. Pro Mann und Nase wurden jährlich 40 Liter Schnaps getrunken - etwa das Fünffache des heutigen Konsums. Es entstanden Abstinenzbewegungen, die ein totales Alkoholverbot forderten. Anfang des 20. Jahrhunderts befürworteten über 50% der Schweden ein Totalverbot. Da es hüben wie drüben Drangler und Lobbys gibt, die solche Machenschaften zu verhindern wissen, folgte ein Kompromiss, der ein Staatsmonopol auf Alkoholverkauf vorsah und ihn hoch besteuern sollte. Hochprozentiger Alkohol (alles ab 3,5%) ist heute nur noch in den so genannten Systembolagets erhältlich, wo man tief in die Taschen greifen muss. Da wünscht sich der Wiener Student zurück an den Schwedenplatz. Die Ironie grüßt mit einem herzlichen Skål.

Das ist die stark vereinfachte Kurzversion der Alkoholgeschichte Schwedens. Allen Interessierten sei die Lektüre dieses Wikipedia-Eintrages ans Herz gelegt: http://de.wikipedia.org/wiki/Schwedische_Alkoholpolitik

Da man nicht einfach zum nächsten Supermarkt gehen kann, um an Vodka, Gin & Co zu kommen, bedarf es schlicht besserer Organisation. Sie gelingt uns nicht nur bravorös, sie lenkt auch den Fokus auf das, worauf es beim Zusammensitzen und Trinken eigentlich ankommt: Zusammensitzen und Trinken. Ansichten eines Österreichers? Bilden Sie sich Ihre Meinung.

Ansonsten keltert sich der ein oder andere Durchschnittsschwede seinen eigenen Wein. Der schmeckt zwar widerlich, aber... wuascht is ah.

en blom

Sonst noch komisch

  • Wenn der Lehrer neben einem Satz ein Hakerl macht, ist das im Gegensatz zum Rest der Welt KEIN gutes Zeichen. Dabei hab ich mich so gefreut, als ich meinen ersten Text zurückbekommen hab...
  • Eine Meile hat in Großbritannien und den USA 1,6 Kilometer. Weil Schweden so lang ist, hat eine Meile hier 10 Kilometer.
  • Während bei uns nicht zwischen den Eltern der Mutter und den Eltern des Vaters unterschieden wird - sie sind uns gemeinhin als Omas und Opas bekannt - wird das in Schweden sehr wohl gemacht. Wenn man über die Mormor (Mutter der Mutter) oder den Farfar (Vater des Vaters) schimpft, weiß man wenigstens wer gemeint ist.

ein schwer verletzter Franzose auf ärztliche Betreuung wartend

ein Polizist in der Altstadt von Linköping

Studentenverbindung ... (c) Clement
Villa Kunterbunt

Sternschnuppennacht
Vad tittar du?
Mehr Fotos aus Linköping gibt's hier: http://www.flickr.com/photos/51612635@N06/sets/72157624572422937/

2 Kommentare:

  1. deshalb dein freiwilliger bartwuchs... anpassung!

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  2. lieber Bernd - ich bin very impressed von deinem blog. Du skriver mycket bra och roligt! Det är cool äh kul... Drei Sprachen zur gleichen Zeit verwirren zeitweise meine Zunge.
    Schreib weiter so und Vi ses in Jönköping! Ich werde dich auf jeden Fall irgendwann irgendwie (irgendwo brauchen wir ja nicht) besuchen kommen!
    Ann-Cathérine

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